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Wenn auch der menschliche Geist […] auf dasselbe Ziel zugeht, nie wird er eine Erfindung machen, die schöner, leichter und kürzer wäre, als die Natur. (Leonard da Vinci)

Laurin also.

Unterstellen zu wollen, Werner Bäumler kokettiere in diesem Künstlernamen lediglich mit seiner Körpergröße, wäre deutlich zu kurz gedacht. Der Zwerg der Sage, der trotz seiner Tarnkappe, trotz seiner zahlreichen genialen Tricks und Wendungen letztlich scheitert, gemahnt ihn an die eigene Unvollkommenheit. Es sind immer wieder die größten Geister, die großen Denker gewesen, die sich der eigenen Unvollkommenheit am schmerzlichsten bewusst waren. Gleichzeitig waren und sind sie gerade dadurch davor gefeit, an ihr zu scheitern. Leonardo da Vinci hat kaum ein Gemälde zu Ende gemalt. Die großartigsten Entwürfe ließ er irgendwann plötzlich liegen, denn er wusste, dass seine Fähigkeiten nicht ausreichten, sie wirklich zu vollenden. Er hat das Scheitern immer einkalkuliert, aber er hat nie gezögert, etwas Großes zu beginnen.

Werner Bäumler wurde am 15. April 1942 in Lindau am Bodensee als Sohn eines Maschinenschlossers und einer Hausfrau geboren. Als Kind sei er verwöhnt worden, sagt er, denn er habe sich nicht gewehrt. Eine Barlachausstellung im Lenbachhaus in München weckte in dem Fünfzehnjährigen den Willen zur Kunst. Später konnte er bei und mit Otto Dix seine ersten Aquatintas drucken. Weil er das Wasser liebte, aber die Berge nicht mehr sehen mochte, ging er nach Hamburg. Er wurde Maschinenbauer und Silberschmied und hat schon als Lehrling, erste Skulpturen zusammengeschweißt. Als Laurin arbeitet er seit 1965 freischaffend auf dem gesamten Gebiet der Bildnerei, und zwar von A wie Architektur bis Z wie Zeichnung. Er sieht die Kunst als Ganzes, er mag die Schubkästen nicht. So hat er sich auch mit dem Bau von Architekturmodellen einen Namen gemacht und ein Hochwasserschutz-Projekt für Venedig ersonnen, wohin er 1994 mit seiner zweiten Frau umgesiedelt ist. Das war möglich, obwohl Deutschland auch für Künstler als sicheres Herkunftsland gilt. Er lebt seither an der Lagune, auf dem Litorale bei Venedig, das ja schon bei Boccaccio als Zuflucht allen Gesindels galt.

Das Kind in der Frau kommt durch die Geburt zur Welt. Da es einen vergleichbaren Vorgang bei Männern nicht gibt, bleibt das Kind im Manne ein Leben lang erhalten. Er spielte auch als Erwachsener weiter, schreibt Nietzsche über Leonardo, und wurde dadurch manchmal seinen Zeitgenossen unheimlich und unbegreiflich.

Das Kind in Laurin ist, wie wir hörten, ein verwöhntes Kind: es gibt sich mit Lego oder Playmobil nicht zufrieden. Es erfindet das Raumschach, das 3DGo oder das TAK3TIK. Es überträgt das Labyrinth ins Räumliche und – es erfindet die Sinustreppe, die auf der einfachen Beobachtung beruht, dass das Steigen leichter wird, wenn das Schrittmaß gleich bleibt. Es mischt sich die Farben für seine blaudominierten lyrisch-abstrakten Aquarelle und Ölbilder selbst, die es reichlich mit seinen Laurinos ausstattet, die, wie der menschliche Geist, vor allem aufrecht stehen. Bei alledem ist sich Laurin der Unvollkommenheit bewusst: Ganz wie Leonardo vorausgesagt hatte: Wenn auch der menschliche Geist durch vielfache Erfindungen mit verschiedenen Instrumenten auf dasselbe Ziel zugeht, wird er nie eine Erfindung machen, die schöner, leichter und kürzer wäre als die Natur.

Ein Text von Thomas Gerlach